Das Fallkoordinierungstool sam unterstützt unterschiedliche Varianten von Krankheitsschweregraden un deren Betreuungsprozessen, indem es die kontinuierliche Fallarbeit vereinfacht und optimiert. Die Applikation bietet umfassende Funktionen zur Erfassung, Verwaltung, Messung und Analyse von Fallinformationen und eignet sich ideal für die Dokumentation des Case-Management-Prozesses.
Durch den Einsatz des webbasierten Medizinprodukts stayok for experts in Kombination mit sam kann bereits zu Fallbeginn eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Schwere und Begleitungsdauer eines Falles gemacht werden. Die evidenzbasierte Software stayok ermöglicht einen quantitativen Zugang: Fallarbeit wird dadurch messbar, vergleichbar und bewertbar.
Digitale Tools versprechen Effizienz, doch ohne klare Methodik bleiben Potenziale oft unsichtbar und ungenutzt. Im Case Management setzen wir deshalb auf einen strukturierten Prozess.
Zu Beginn einer Case-Management-Begleitung füllt die betroffene Person einen evidenzbasierten Fragebogen (Medizinprodukt stayok for experts light) aus. Damit erheben wir die Ausgangssituation der bio-psychosozialen Gesundheit der jeweiligen Person nach WHO-Grundlagen. Erfasst werden Daten zu Gesundheit, Wohlbefinden sowie zum Privat- und Berufsleben. Diese Ausgangslage entspricht zugleich dem ersten Messpunkt.
Basierend auf den Ergebnissen erfolgt eine standardisierte Einstufung der Betreuungsintensität des Falls. Diese Einstufung ist entscheidend, da sie die Dauer, Art der Intervention und die Häufigkeit von Zwischenmessungen mitbestimmt. Anschliessend werden die erhobenen Daten analysiert, indem die Resultate der verschiedenen Messzeitpunkte miteinander verglichen werden. So lässt sich individueller Fortschritt nachvollziehbar und systematisch dokumentieren.
Bei jedem Messpunkt werden die gleichen Daten mit stayok for experts light erhoben. Die automatisierte Auswertung stellt sofort grafisch dar, wo es bereits positive Entwicklungen gibt und wo noch Handlungsbedarf besteht. Die Vergleichbarkeit der Intervalle erlaubt es, Trends zu erkennen und Interventionen zeitnah anzupassen. So werden Brüche im Prozess reduziert und ein kontinuierlicher Dialog zwischen betreuender und betroffener Person gewährleistet.
Bis Ende August 2025 wurden insgesamt 207 Fälle begleitet und erfolgreich abgeschlossen. Die detaillierte Analyse dieser Fälle verdeutlicht die Wirksamkeit eines strukturierten Case Managements mit einer kontinuierlichen Überprüfung der individuellen Fortschritte im Genesungsprozess:
In knapp 40 % der Fälle gab es bereits zwischen der initialen Ausgangsbewertung und der ersten Zwischenmessung eine erkennbare Verbesserung.
In 53 % der Fälle konnten Fortschritte zwischen der ersten und der zweiten Zwischenmessung festgestellt werden.
Bei knapp 10 % zeigte sich eine positive Entwicklung erst zwischen der dritten Zwischenmessung und der abschliessenden Messung.
9 Fälle (4 %) blieben unvollständig, was darauf hinweist, dass in diesen Fällen nicht alle erforderlichen Assessments durchgeführt werden konnten. Dies kann durch vorzeitigen CM-Abbruch z.B. durch den Klienten oder durch das CM, bei Fällen ohne Mitwirkungspflicht, geschehen.
Bei leichten Fällen beträgt die Betreuungsdauer maximal 6 Monate, die Case Management Unterstützung ist nur punktuell. Bei diesen Fällen erfolgt eine Start- sowie eine Endmessung. Bei der Analyse der leichten Fälle, von denen insgesamt 26 dokumentiert wurden, zeigte sich ein bemerkenswert positiver Verlauf: In sämtlichen Fällen konnte zwischen der initialen und der abschliessenden Messung eine signifikante Verbesserung festgestellt werden. Das bedeutet, dass alle betreuten Personen im Verlauf des Case Managements Fortschritte erzielten. Besonders hervorzuheben ist zudem, dass es bei den leichten Fällen zu keinerlei Fallabbrüche unvollständigen Verläufen kam.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das strukturierte Vorgehen insbesondere bei leichten Fällen zu einer effizienten und nachhaltigen Förderung des Genesungsprozesses beiträgt.
Mittlere Fälle stellen die grösste analysierte Gruppe dar, insgesamt wurden bis August 2025 151 Fälle abgeschlossen. In dieser Fallkategorie rechnet man aufgrund der Fallkomplexität mit einem Jahr Betreuungszeit und misst den Fallverlauf insgesamt drei Mal (Initialmessung, Zwischenmessung und Endmessung). 35 % der Fälle verzeichneten bereits zwischen den ersten beiden Messungen eine Verbesserung. Insgesamt 65 % zeigten Fortschritte zwischen der ersten Zwischenmessung und Abschluss der Intervention.
Schwere Fälle erfordern oft ein langfristiges, multidisziplinäres Vorgehen. Die Case Management Betreuung dauert in der Regel bis zu 1.5 Jahren. Die Entwicklung wird in dieser Zeit bis zu vier Mal gemessen. Von 30 dokumentierten Fällen konnte nur ein einziger Fall bereits zu einem frühen Zeitpunkt eine Verbesserung verzeichnen. 43 % erlebten Verbesserungen während den Zwischenmessungen. Bei 66 % zeigte sich die positive Entwicklung erst gegen Ende des Prozesses. Diese Zahlen belegen: Vertrauen, Ausdauer und die kontinuierliche Anpassung der Massnahmen sind entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg.
Bei insgesamt 9 Fällen, was einem Anteil von 4 % entspricht, konnten nicht alle notwendigen Assessments durchgeführt werden, sodass diese Verläufe als unvollständig klassifiziert wurden. Dieser Umstand weist darauf hin, dass es in einzelnen Fällen zu Unterbrechungen oder Abbrüchen im Erhebungs- und Betreuungsprozess kam, wodurch eine abschliessende Bewertung des Genesungsverlaufs nicht möglich war. Solche unvollständigen Verläufe sollten bei der Interpretation der Gesamtergebnisse berücksichtigt werden, da sie auf potenzielle Herausforderungen im Case Management oder auf individuelle Besonderheiten der betreuten Personen hinweisen können.
Auf Basis des bio-psychosozialen Modells, welches alle Ressourcen und Defizite eines Klienten misst, wurden Verbesserungen in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen über die Messintervalle hinweg analysiert. Dabei zeigt sich ein differenziertes Bild.
In arbeitsbezogenen Dimensionen lassen sich deutliche positive Veränderungen erkennen: Begleitete Personen berichten von einer spürbaren Verbesserung in emotional belastenden sowie in bewältigbaren Aspekten ihres Arbeitsplatzes. Das legt nahe, dass strukturiertes Case Management zur emotionalen Stabilisierung beiträgt und zugleich das Vertrauen in die eigene Arbeitsfähigkeit stärkt.
Im Hinblick auf das allgemeine Wohlbefinden sowie die finanzielle Situation zeigen die Auswertungen eine moderate, aber stetige Verbesserung. Diese Entwicklung kann als Zeichen einer schrittweisen Normalisierung der Lebensumstände interpretiert werden und dient damit als Indikator für eine insgesamt gesteigerte Lebensqualität während der beruflichen und sozialen Reintegration.
In den Bereichen soziale Teilhabe und gesundheitliche Aspekte ergibt sich hingegen ein weniger homogenes Bild: Zwar ist insgesamt eine tendenziell positive Entwicklung zu beobachten, jedoch fallen die Mittelwerte geringer aus und die Streuungen sind vergleichsweise hoch. Das deutet darauf hin, dass Fortschritte in diesen Bereichen stark individuell geprägt sind.
Die insgesamt breiten Standardabweichungen über alle untersuchten Dimensionen hinweg verdeutlichen die Heterogenität der Entwicklungspfade: Während ein Teil der betroffenen Personen signifikante Fortschritte erzielt, stagniert der Genesungs- und Reintegrationsprozess bei anderen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer individualisierten und adaptiven Betreuung im Rahmen des Case Managements.
Sind Sie an einer effizienten und messbaren Fallbegleitung im Case Management interessiert?
Erfahren Sie mehr über unser Falldokumentationssystem sam
Die Analyse der Fallverbesserungen mithilfe des Medizinprodukts stayok for experts und dem Fallführungstool sam zeigen eindrücklich, wie strukturierte und datenbasierte Begleitung Menschen mit einer Arbeitsunfähigkeit nachhaltig unterstützt. Innerhalb der CM- Fallschwere und deren Betreuung können Verbesserungen dargestellt werden, insbesondere in leichten Fällen, wo alle begleiteten Personen Fortschritte machten. Die Ergebnisse der mittleren und schweren Fälle weisen auf die Notwendigkeit und Wirksamkeit eines langfristigen Betreuungsprozesses hin.
Unsere Tools erweisen sich als wertvolle Instrumente: Sie machen Fortschritte sichtbar, unterstützen die Fallsteuerung und liefern zugleich eine Datengrundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung von Case Management-Strategien. Zukünftige Entwicklungen sollten sich insbesondere auf die Optimierung der Unterstützung in sozialen und gesundheitlichen Dimensionen konzentrieren, um eine noch effektivere Reintegration zu ermöglichen.
Ronan Heyn, Leiter Finanzen, Controlling & Analytics
Ronan Heyn ist Leiter Finanzen, Controlling und Analytics bei der HMS. Er verfügt über einen Abschluss in Physik sowie in Finanzen und Controlling. Die Leidenschaft für Zahlen, das strukturierte Erstellen und Verfeinern von Modellen sowie das genaue Verstehen komplexer Zusammenhänge prägen sein berufliches Selbstverständnis. Besonders schätzt er die Möglichkeit, mit datenbasierten Methoden Transparenz zu schaffen und Entscheidungsprozesse fundiert zu unterstützen.



