Der Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich in einem erhöhten Blutzuckerspiegel äussert. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Diabetesformen: Typ 2 ist die mit Abstand häufigste Form und stark lebensstilbedingt. Typ 1 ist eine seltene Autoimmunkrankheit, die häufig bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt. Zudem kann Diabetes auch durch genetische Defekte, Infektionen, Medikamente gestörte Hormonproduktion, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder bei einer Schwangerschaft auftreten, was als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet wird.
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar weiterhin Insulin, jedoch können die Körperzellen (z.B. Muskel-, Fett-, Leberzellen) es nicht mehr aus dem Blut aufnehmen (Insulinresistenz). Dadurch steigt der Blutzucker dauerhaft an.
Zu Beginn spüren Betroffene oft kaum etwas. Die Krankheit entwickelt sich schleichend. Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefässe. Dies kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen sowie Nieren, Augen und Nerven beeinträchtigen. Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, genetische Veranlagung und zunehmendes Alter.
Genau hier wird der Arbeitsplatz relevant: Bewegungsarme Tätigkeiten, unregelmässige Essenszeiten, ein unausgewogenes Kantinenangebot oder Schichtarbeit können die Stoffwechsellage zusätzlich belasten.
Ist eine Diabetes-Erkrankung gut eingestellt, sind betroffene Mitarbeitende in der Regel voll leistungsfähig. Ziel sollte also, nebst der Prävention, eine Früherkennung sowie kluge Begleitung sein, um Ausfälle und Folgeschäden zu vermeiden.
Wichtig ist, Blutzuckerschwankungen und insbesondere Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu vermeiden, da diese insbesondere bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten problematisch sein können. Das Risiko für Unterzuckerungen ist abhängig von der medikamentösen Behandlung. Bei Insulin sind regelmässige Blutzuckerkontrollen wichtig, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Die meisten Tätigkeiten sind weiterhin möglich; bei sicherheitsrelevanten Arbeiten (z. B. Fahren, Arbeiten mit Maschinen oder in der Höhe) ist eine individuelle Risikobeurteilung nötig. Moderne Medikamente sowie Glukosesensoren und automatisierte Insulinsysteme senken das Unterzuckerungsrisiko und erleichtern die Kontrolle. Im Arbeitsalltag helfen regelmässige, planbare Essenszeiten, ein Rückzugsraum (z.B. für Messung/Medikamentengabe) und bei Bedarf flexible Pausen.
Ist der Diabetes nicht gut eingestellt, können Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Infektanfälligkeit zunehmen – mit höherem Risiko für Fehler und krankheitsbedingte Absenzen.
In kleineren Unternehmen könnten betroffene MItarbeitende motiviert werden, gemeinsam mit der hausärztlichen Praxis und ggf. einer Ernährungs- und Diabetesberatung einen Plan zu erarbeiten. Hilfreich sind dafür Zeitfenster für Termine.
In grösseren Unternehmen bieten sich vertrauliche interne Anlaufstellen (HR/BGM) oder eine arbeitsmedizinische Sprechstunde an.
Hypoglykämien sind mit heutigen Behandlungsmöglichkeiten insgesamt selten. Sie können jedoch, abhängig von der medikamentösen Therapie (insbesondere Insulin, Sulfonylharnstoff), auftreten. Begünstigende Faktoren sind unter anderem begleitender Alkoholkonsum oder ungewöhnlich starke körperliche Anstrengung. Gerade im Anfangstadium kommen häufig Medikamente zum Einsatz, die Unterzuckerungen in der Regel nicht fördern. Je nach Situation gibt es moderne Medikamente, die gleich mehrere Effekte haben: Einige helfen zusätzlich beim Gewichtsverlust (z.B. Ozempic/Wegovy) während andere bei Herzschwäche unterstützen, indem sie die Ausscheidung von Zucker und Wasser über die Niere fördern. Insgesamt tragen sie zu stabileren Blutzuckerwerten und einer besseren Insulinwirkung bei.
Bei einer Insulintherapie werden betroffene Personen auf mögliche Unterzuckerungssymptome wie Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Sehstörungen oder Verwirrtheit geschult. In bestimmten Arbeitsumfeldern ist es sinnvoll, auch das Team zu sensibilisieren (ohne medizinische Details einzelner Personen), damit im Ereignisfall klar ist, wie unterstützt werden kann.
Für sicherheitsrelevante Tätigkeiten (z.B. Arbeiten mit Maschinen, in der Höhe, mit Gefahrstoffen, im Verkehr, Hitze), existieren besondere Regelungen.
Eine besondere Herausforderung kann Schicht- und Nachtarbeit sein. Unser Körper liebt Regelmässigkeit und folgt einer inneren Uhr. Diese wird durch unregelmässige Essenszeiten und unregelmässigen Schlaf gestört. Aufgrund des erhöhten Stresslevels kommt es eher zu Blutzuckerschwankungen. Gleichzeitig muss eine Diabetes-Diagnose nicht automatisch bedeuten, dass Schichtarbeit unmöglich ist. Arbeitgebende können hier viel bewirken, zum Beispiel durch
Das SECO hat zum Thema Schichtarbeit viele wertvolle Informationen und Tipps zusammengestellt.
Da sich die Erkrankung oft über Jahre entwickelt, können Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei der Früherkennung von Risiken unterstützen und so rechtzeitig Gegensteuer ermöglichen. Es gilt, Rahmenbedingungen zu schaffen, sei es mit zugänglichen Informationen oder niederschwelligen Angeboten unter Berücksichtigung von Datenschutz und Vertraulichkeit. So liegt die medizinische Abklärung und Diagnosestellung immer bei einer Ärztin/ einem Arzt und sollte stets freiwillig und vertraulich erfolgen. In der Folge werden arbeitsbezogene Empfehlungen ausgesprochen ohne Nennung einer Diagnose.
Bewährt hat sich insbesondere
Ein konkreter Einstieg ist der kostenlose Risikotest der Schweizerischen Diabetesgesellschaft: Mitarbeitende können ihr Risiko mittels anonymem Fragebogen einschätzen. Solche Massnahmen können dazu beitragen, spätere Komplikationen zu verhindern und krankheitsbedingten Ausfällen vorzubeugen. Programme und Inhalte lassen sich zum Beispiel mit Unterstützung vom BAG, der Suva, oder der Gesundheitsförderung Schweiz umsetzen.
Mit einem betrieblichen Gesundheits-Check Früherkennung fördern
Mit einem medizinischen Gesundheits-Check-up bei HMS können Sie Mitarbeitende bei der Früherkennung von Diabetes Typ 2 unterstützen.
Ein gut eingestellter Diabetes Typ 2 schränkt die berufliche Leistungsfähigkeit in der Regel nicht ein. Entscheidend ist ein Zusammenspiel aus Eigenverantwortung der Betroffenen und unterstützenden Rahmenbedingungen im Unternehmen. Betriebe können durch gesundheitsfördernde Strukturen, transparente Prozesse und eine sensible Führungskultur wesentlich dazu beitragen, Komplikationen und Ausfälle zu vermeiden. Besonders bei Schichtarbeit oder sicherheitsrelevanten Tätigkeiten sind klare Regelungen und Wissen im Team zentral. Wer früh in Prävention, Information und arbeitsmedizinische Begleitung investiert, stärkt nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden, sondern auch Stabilität, Produktivität und soziale Verantwortung des Unternehmens.
Elisabeth Berger, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin
Elisa Berger ist als Spezialärztin für Verkehrsmedizin bei HMS tätig und ist mit Tauglichkeitsbeurteilungen im Eisenbahnverkehr, Fahreignungsbeurteilungen für den Strassenverkehr und als Fachärztin für Arbeitsmedizin zusätzlich mit arbeitsmedizinischen Themen befasst. Sie stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite.